Keine Angst vor High-Iso

Lange Zeit hatte ich immer Sorge davor, mit der ISO die 800 zu überschreiten. Aber die heutigen Sensoren sind zumindest in den Vollformatkameras derartig gut, dass ich mich mit der Zeit immer höher gewagt habe.

Da ich besonders gerne Eulen fotografiere, blieb mir auch gar nichts anderes übrig. Und so stand ich sehr bald vor der Entscheidung:

1. Auf Fotos verzichten

2. Fotos machen, aber große Verwacklungen in Kauf nehmen, da die Belichtungszeit zu lang ist

3. es einfach mal mit einer High-ISO-Aufnahme versuchen

 

Möglichkeit 1 und 2 hatte ich reichlich hinter mir. Also hieß es: auf zu neuen Ufern. Man lernt nie aus und es konnte ja nichts passieren, außer dass ich vielleicht zu Fotos komme, in Situationen, die  mir vorher keine Fotos mehr ermöglichten.

 

Das folgende Bild zeigt ein Foto, welches bei ziemlicher Dunkelheit absichtlich ohne kamerainterne Belichtungskorrektur fotografiert wurde. Die Exifdaten unter dem Bild zeigen kundigen Lesern, wie dunkel es real gewesen ist.

ISO 25600 ist schon extrem und die Belichtungszeit war trotzdem noch recht lang für ein bewegtes Motiv. Der Steinkauz links im Baumstamm war zum Glück kooperativ und blieb kurz relativ ruhig in dem Eingang zu seiner Bruthöhle stehen, bevor er wieder ausflog.

Das Bild zeigt eine unbearbeitete RAW-Aufnahme, ohne Rauschreduzierung oder sonstiges Anpassungen, lediglich die Voreinstellung von Lightroom bei Schärfe bliebt auf 25.

 

Canon 5d Mark III • 500mm • f/4.0 • 1/30s • ISO 25600

 

Zu erkennen ist ein deutliches, starkes Farb- und Helligkeitsrauschen. Das Bild hat einen gut sichtbaren, unerwünschten Magenta-/und Rotstich, der per EBV entfernt werden kann.

Die Kamera hat aus dem eigentlich dunklen Umfeld eine tageslichtähnliche Belichtung gemacht. Das macht die anschließende Bearbeitung deutlich einfacher, da so viel mehr Informationen im Bild gespeichert sind, als bei einer unterbelichteten Aufnahme. Ein anschließendes Abdunkeln per EBV vermindert das Rauschen noch einmal um einiges, so dass auch hier ein großer Vorteil in der eher helleren Belichtung während der Aufnahme liegt. Ein anschließendes Aufhellen des Bildes per EBV hingegen würde nur zusätzliches Helligkeitsrauschen hinzufügen.

Nach den ersten Bearbeitungsschritten sah das Bild dann so aus und ist schon ganz okay. Allerdings ist die Lichtstimmung noch weit entfernt von dem, wie es real war.

 

Luminanzregler in Lightroom auf 46, Regler für das Entfernen von Farbrauschen auf 62, Schärfe auf 27

 

Das Farbrauschen war nun gemildert, aber noch immer hatte das Bild einen Rotstich. Das Helligkeitsrauschen jedoch war absolut akzeptabel eingestellt und kann bei der Einstellung bleiben, zumal durch die Anpassung der Belichtung im nächsten Schritt das Rauschen noch weiter gemildert wurde.

Die Farbtemperatur des Bildes war auch noch sichtbar zu warm eingestellt. Zum Abend und zur Nacht hin wird die Farbtemperatur kühler und geht eher ins bläuliche. Auch das wurde im kommenden Schritt korrigiert.

 

Belichtung auf -2,00 und die dunklen Mitteltöne ebenfalls noch ein wenig abgedunkelt. Farbtemperatur ins blaue gezogen.

 

Die Belichtung entsprach nun der Stimmung vor Ort an dem Abend. Lediglich der Rotstich in dem Baumstamm und dem Gefieder des Steinkauzes musste noch dringend abgemildert werden.

 

Im HSL-Modus die Sättigung Magenta -100, Sättigung Lila -86, Sättigung rot -88, Sättigung orange -63

Im HSL-Modus den Farbton Lila auf -83

 

Nun war das Gröbste geschafft. Das Foto kommt dem, was ich vor Ort gesehen hatte, sehr nah und es fehlte nur noch der Feinschliff.

Dazu habe ich das Bild noch unscharf maskiert. Die Einstellungen Luminanz, Farbrauschreduzierung und Schärfe ließ ich, wie im ersten Bearbeitungsschritt eingestellt.

Den Regler für die Maskierung schob ich dann auf 31. Ein großer Ausschnitt aus dem Originalbild zeigt, was trotz ISO 25600 heute schon Möglich ist, wenn man die Belichtung vor Ort richtig wählt, um in der anschließenden Bearbeitung noch möglichst viel aus einer High-ISO-Aufnahme herauszuholen.

 

unscharf maskiert

 

Das fertige Bild sieht nun so aus und ist für größere Abzüge bis schätzungsweise 50x75cm gut brauchbar. Auch noch größer sollte machbar sein, da man bei großformatigen Abzügen ja etwas mehr Betrachtungsabstand zum Bild hat und nicht direkt davor steht. Und mit einem gewissen Betrachtungsabstand wird auch bei größeren Ausbelichtungen das letzte Rauschen nicht mehr schwer ins Gewicht fallen.

 

Fertiges Bild nach der Bearbeitung

 

Abschließend noch ein Vorher/Nachher-Vergleich, wo man den Unterschied meiner Sicht nach besonders gut erkennen kann.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Timo (Montag, 11 Januar 2016 15:39)

    Hi Simone!

    Klasse "Step-byStep" Tutorial. Das Ergebnis kann sich tatsächlich sehen lassen. Ich bin auch nicht so der Pixelzähler, aber High ISO am oberen Anschlag noch so gut rüberkommt lässt mich das auch mal testen wollen :)

    VG
    Timo

  • #2

    Christian (Samstag, 16 Januar 2016 13:53)

    Hallo Simone,

    schön, dass du deine Erfahrungen mit High-ISO Fotos und der Bearbeitung auch beschreibst. Das Ergebnis sieht sehr gut aus. Vor allem die Tiefen sind auch wieder schön dunkel und der Magentastich ist weg.

    Nachtaufnahmen haben meist eh eine besondere Stimmung. Da freue ich mich auch immer wieder über die Möglichkeiten moderner Sensoren. Bin schon auf weitere Bilder gespannt.

    Viele Grüße,
    Christian

  • #3

    Annette Sharrow (Mittwoch, 01 Februar 2017 17:20)


    Appreciate the recommendation. Will try it out.