Mein Uhu-Frühling

 

 

Seit drei Jahren war ich auf der Suche nach einem geeigneten Uhu-Brutplatz, der es ermöglichen sollte, das Aufwachsen der Tiere ohne Störung zu beobachten und zu fotografieren. Ein schwieriges Unterfangen.

Besondere Schwierigkeiten bereitet dabei die unfassbar gute Tarnung der Tiere in ihrem Optimalhabitat, dem Steinbruch. Sie verschmelzen geradezu mit den Steinwänden. Und so habe ich -obwohl ich weiß, dass in meiner Gegend annähernd jeder Steinbruch besetzt ist- in den wenigsten Gebieten überhaupt die Uhus sichten können.

 

Von denen, die mir dann blieben, fielen die meisten aus, da die Brutplätze fotografisch absolut unbrauchbar lagen, da sie ganztägig im Schatten lagen, oder viele Sträucher im Weg waren, oder sie zu hoch lagen, oder die Steinbruchbesitzer kein Einverständnis gegeben haben, da sie auf ihrem Betriebsgelände aus versicherungstechnischen Gründen kein Fotografieren erlauben wollten, oder oder oder... es gab so Vieles, was es kompliziert, unattraktiv oder gar unmöglich gemacht hat.

 

So in etwa sieht ein Uhu-Optimal-Habitat aus, wenn man davor steht. In dem kleinen eingekringelten Bereich sieht man mit Lupe den Kopf eines brütenden Weibchens in der Brutmulde.

 

 

 

Optimal für den Uhu, eher unoptimal für die Fotografin.

Mit den Uhu-geschulten Augen eines Fotofreundes, der in meinem Wunschsteinbruch ebenfalls die Augen aufhielt, bekam ich dann die Info, wo der Uhu dort brütet.

Die Erlaubnis des Steinbruchbesitzers, dort langfristig ein Tarnzelt aufzustellen, hatte ich bereits und so konnte das Projekt nach drei Jahren Vorlauf endlich beginnen.

 

Es ist ein von Spaziergängern zur Feierabendzeit viel besuchter Steinbruch, in dem am Tag noch gearbeitet wird. Ein gewisses Maß an Störungen sind die Tiere dort also bereits gewohnt gewesen.

 

Und so baute ich recht flott an einem Nachmittag mein Tarnzelt auf und ließ es ein paar Tage dort stehen, ohne selbst dort wieder aufzutauchen. Die Tiere sollten sich in Ruhe daran gewöhnen können, dass dort nun ein neues, fremdes Ding steht, was bei Wind ein wenig raschelt. Das Tarnzelt stand dabei ca. 60m vom Brutplatz entfernt, der etwa 10-15 meter hoch in der Steilwand lag.

Nach einigen Tagen hatten die Tiere sich komplett an das Zelt gewöhnt und aus der Entfernung war mit dem Fernglas deutlich zu sehen, dass das Weibchen völlig entspannt der Versorgung nachkam und es auch bei stärkeren Windböen, die das Zelt etwas bewegten und nicht unerheblich rascheln ließen, keinen Blick in die Richtung warf. Es konnte los gehen.

 

 

 

Während der ersten Zeit sitzt das Weibchen immer mit den Jungtieren gemeinsam in der Brutkuhle, sie sitzen eng aneinander gedrückt zusammen und werden von dem Männchen versorgt.

Nach und nach werden die Kleinen agiler. Sie setzen sich auf die Beine und bleiben so zunächst im Nest sitzen. Wenige Tage später tapsen sie dann ein wenig unbeholfen ein paar Schritte im Nest herum. Alles unter strenger Aufsicht des Weibchens, dem es bald zu viel und zu voll wird. Dann zieht sie aus dem Nest aus und beobachtet den Nachwuchs von einem nahe gelegenen Wachposten aus.

 

 

 

 

Anfangs sind die Jung-Uhus noch weiß und sehr flauschig. Je agiler sie werden, umso mehr wechselt ihre Farbe von dem Baby-Weiß, zu einem Kleinkind-Grau :-) Nun wird es turbulent in der Steilwand-Mulde. Da wird geflattert, Muskeln und Koordination trainiert, die Federkiele jucken und so wird ständig am Gefieder geknabbert, gezupft und geputzt und auch das Stereosehen gehört trainiert, indem die ersten kleine Hupf-Sprünge auf herumliegene Federn der gerupften Beutereste gestartet werden. Alles in einer Mulde 10 Meter über dem Erdboden.

Noch wird ihnen die Beute mundgerecht angeboten. Selbst Beute zu zerlegen ist noch zu schwierig.

 

 

 

 

Und dann ist es auch schon bald an der Zeit, Abschied von dem Nest als einzigem Aufenthaltsort zu nehmen. Die Jungtiere können inzischen selbständig Beute zerlegen, die ihnen jeoch noch immer von den Elterntieren gebracht wird. Zwei Halbwüchsige zu versorgen ist Schwerstarbeit.

Die Kleinen fangen an, in der Steilwand zu klettern. Um dabei das Gleichgewicht nicht zu verlieren, flattern sie dabei oft mit den Flügeln. So hüpf-klettern sie in den fast senkrechten Wänden von einem Felsvorsprung zum anderen und jeden Tag wird ihr Umkreis wenige Hüpfer größer. Ihre Aktivitätszeiten verschieben sich auch mehr in die Dämmerungs- und Nachtstunden, wenn auch die Elterntiere aktiv sind. Tagsüber sitzen die Jungtiere lange und gut getarnt hinter kleinen Büschen oder Pflanzen, die in den Wänden wachsen.

 

 

 

 

Nicht alle Uhus schaffen es.

 

Ich weiß nicht, was geschehen ist, aber eines Tages konnte ich das weibliche Alttiere nicht mehr sehen. Auch das Männchen hatte sich schon vor drei Wochen aus dem Steinbruch verabschiedet, was nicht ganz so ungewöhnlich ist.

Bei dem Weibchen dachte ich, es läge an den starken Regenfällen, die eine Woche lange gewütet hatten.

Vielleicht hatte sie ihre Jagdzeiten nach vorne und hinten zeitlich verlängert, um bei den überschwemmten Wiesen überhaupt noch genügend Beute schlagen zu können. Ich machte mir Sorgen. Aber ich konnte auch nichts machen. Die Jungtiere kletterten noch in der Wand herum, flogen abends gelegentlich schon kurze Strecken, und so schien alles okay zu sein.

 

Eines Tages kam ich in den Steinbruch und ich konnte die Jungtiere nicht finden. Egal, wie intensiv ich die Steilwände auch absuchte ... ich sah einfach nichts.

Als ich meine Sachen gerade zusammen packen wollte, sah ich, dass sie -Wildtiere, die eine Wochen zuvor bereits den Steinbruch im Flug erkundet hatten- im Abstand von vier Metern, nass und eng aneinander gekuschelt, schlafend vor mir auf dem Boden saßen.

 

Ich habe einen Mitarbeiter einer Wildvogel-Auffangstation angerufen und gemeinsam haben wir die beiden eingefangen. Sie hatten nicht mehr viel zuzusetzen und so verlief das Einfangen sehr problemlos.... leider.

 

Ein schnelles Handyfoto von mir und dem deutlich geschwächten, nassen Uhu, der leider gut 24 Stunden später in der Vogelauffangstation verstarb. Dem anderen Jungtier geht es meiner Information nach gut und es entwickelt sich prächtig.

 

Das Muttertier scheint verunfallt zu sein und ebenfalls nicht mehr zu leben. Es gibt keinen anderen plausiblen Grund, warum sie eine erfolgreiche Aufzucht beendet haben sollte, bei der die Jungtiere sich so toll entwickelten.

 

 

 

 

Die letzten Bilder ........

 

 

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Kommentare: 7
  • #1

    Annerose (Montag, 18 Juli 2016 23:09)

    Hallo Simone,
    was soll ich sagen, schreiben, SUPER.
    Schöne Aufnahmen, deine Geduld, Zeit, Mühe und Fleiß
    haben sich gelohnt.Gut gemacht.
    Uhus sind für mich sehr schöne Tiere.
    Das mit dem zweiten Uhu Kind hat mich sehr traurig gemacht.

  • #2

    Timo (Mittwoch, 20 Juli 2016 13:22)

    Hallo Sabine,
    traurig. So verbleibe ich zum Ende des Artikels. Aber leider kann Natur auch hart sein. Unsere Wohnzimmer-Wohlfühlwelt ist da eine andere. Umso besser, dass es Menschen wie Dich gibt, die so authentische Bilder und Texte liefern, die zumindest mir auch ein Stück weit helfen, mich immer wieder mal "zu kalibrieren".

    Danke!
    LG
    Timo

  • #3

    Timo (Mittwoch, 20 Juli 2016 23:48)

    Oh mein Gott, ich wollte natürlich Simone schreiben. Verfluchte Worterkennung am Handy. Entschuldige bitte vielmals.

    LG Timo

  • #4

    Sebastian (Dienstag, 18 Oktober 2016 23:29)

    Hallo Simone !
    Eine tolle Seite hast du hier, einige deiner Bilder konnte ich auch schon auf NP bewundern.
    Bin durch Zufall auf deine kleine UHU Dokumentation und somit auch den Rest deiner Webseite gestoßen. Weiterhin tolle Bilder und Begegnungen wünsche ich dir.
    Ich hatte eine ganz ähnliche Begegnung mit Uhus wie du. Allerdings kontne ich nur 1x hin und habe somit keine Informationen wie die Brut letztlich ausgegangen ist.
    Als Homepage habe ich mal direkt den Link zu der Uhu Seite gepostset, kann ja auch mal reinschauen wenn du magst.
    Schönen Gruß,
    Sebastian

  • #5

    Andrea (Donnerstag, 08 Dezember 2016 17:45)

    Hallo Simone,

    vielen Dank für diesen wunderbaren Bericht. Die letzten Fotos des kleinen Uhus brechen mir das Herz. Aber so ist es nun einmal in der Natur. Ich wünsche Ihnen noch viele schöne Begegnungen mit diesen tollen Vögeln und ebensolche Fotos, die ich sehr bemerkenswert finde.

    Viele Grüße,
    Andrea

  • #6

    Henrik (Mittwoch, 01 Februar 2017 10:39)

    Hallo Simone,

    ich bin von deinen Uhu-Bildern mehr als beeindruckt. Es sind wunderschöne Aufnahmen, die mein Umweltplaner-/Naturschutz-Herz höher schlagen lassen.

    Viele Grüße

    Henrik K.

  • #7

    Jesenia Thorp (Dienstag, 07 Februar 2017 06:43)


    Ahaa, its pleasant conversation on the topic of this article at this place at this web site, I have read all that, so at this time me also commenting here.