· 

Canon vs. Olympus

Vor Kurzem hatte ich die Gelegenheit, für 4 Wochen die Olympus E-M1 Mark II zu testen. Als Objektive bekam ich dazu das Kit-ObjektivM.Zuiko Digital ED 12–40mm 1:2.8 PRO, sowie das M.Zuiko Digital ED 300mm 1:4.0 IS PRO. Das 300mm Objektiv sollte dabei besonders auf die Probe gestellt werden, da ich bisher vorwiegend mit dem Canon 600/4 L IS II an einer Vollformatkamera fotografiere. Mich interessierte, inwieweit sich die Bildwirkung, insbesondere die Freistellungsmöglichkeit ändert, wenn man nicht mehr mit vollen 600mm fotografiert, sondern das Ergebnis "nur" eine Ausschnittsvergrößerung aus einem 300/4 Foto ist. 

 

Weiterhin wichtig ist für mich die AF-Performance der Olympus gewesen. Wie schlägt sich der AF bei bewegten Motiven, wie schnell greift er, wie irritierbar ist er bei Motiven, die sich kurzzeitig zwischen Hauptmotiv und Kamera schieben (z.B. Bäume bei fliegenden Vögeln), wie schlägt sich der AF bei Gegenlicht usw.

 

Ein dritter, sehr wichtiger Punkt, ist für mich die High-ISO-Performance. Da ich sehr gerne in der Dämmerung fotografiere und nicht gerade das stärkste Mittagslicht bevorzuge, sind für mich ISO-Werte zwischen 1600 und 6000 nahezu normal und müssen gut verwendbar sein.

 

Anlass für den Test war, dass mir die Schlepperei der Canon-Sachen gehörig auf die Nerven geht. Ich suche keine Alternative für meine bisherige Ausrüstung, aber ein zusätzliches Immer-Dabei-System, wenn ich z.B. auf Eulensuche bin. Bei 5-stündigen Touren durch Steinbrüche und Wälder schleppe ich nur ungerne für den Fall der Fälle eine 12kg Ausrüstung mit mir herum. Die Olympus-Version hingegen konnte ich locker an einer Hand baumelnd die ganze Zeit mit mir herumtragen und ein paar Belegfotos machen, wenn die Suche erfolgreich war. Das ist so ein unglaublicher Vorteil und genau das, was ich gesucht habe.

 

Kurzes Fazit gleich zu Beginn:

Die Olympus konnte alles, was ich von ihr erwartet habe, besser, als gedacht. Und alles, wo ich vorher Schwierigkeiten gesehen habe, machte Schwierigkeiten, aber deutlich weniger, als ich befürchtet hatte.

Es ist eine fantastische Immer-Dabei-Kamera, deren Bildqualität sich hinter denen der Spiegelreflexkameras oder der Systemkameras mit größeren Sensoren nicht verstecken braucht.

Das Preis-Leistungsverhältnis halte ich für absolut unschlagbar und wenn man dann noch die Gewichtsersparnisse bedenkt, sollte man eigentlich keinen weiteren Gedanken verschwenden.

Zunächst ein paar Fotos, die ich mit der Olympus während des Testraumes machen konnte. Das Wetter hat jetzt keine sonderlich stimmungsvollen Lichtsituationen ermöglicht. Aber darauf kam es mir gar nicht in erster Linie an. Trotzdem zeigen die Bilder, dass man -ohne Wissen, um welche Kamera es sich handelt- vermutlich nicht erkennen würde, womit sie gemacht wurden. Und darauf kommt es an.

 

 

Aber nun etwas Genauer:

Im Folgenden zwei Situationen, die ich parallel mit der Olympus (mft-Sensor) und 300mm/4 sowie mit der Canon 5d IV (Vollformat-Sensor) und dem 600/4 fotografiert habe. Um deutlich zu machen, worüber hier geschrieben wird:

Die für diese Bilder genutze Olympus-Kombination ist zur Zeit für 4400 Euro zu haben. Die genutzte Canon-Kombination kostet locker 14.400 Euro und ist ungefähr 2,5x so schwer und groß.

Die Bilder mit der Olympuskamera habe ich durchweg aus der Hand gemacht. Der Bildstabilisator ist fantastisch und da kommt Canon bei weitem nicht mit. Bei dem starken Mittagslicht für diese Testaufnahmen bzgl. Freistellungsmöglichkeiten, habe ich auch die Canon-Ausrüstung aus der Hand genutzt.

Hier war der Wald noch in so kurzer Distanz hinter dem Muffelwild, dass die größere Schärfeebene und damit die fast komplette Schärfe über das gesamte Bild bei der Olympusaufnahme nicht stört und die Bildwirkung lediglich etwas anders ist, als bisher gewohnt. Anders sieht es aus, wenn die Freistellung deutlicher hervortreten soll.

Der Vordergrund wirkt unruhig und "fleckig". Allerdings ist das auch zu erwarten gewesen und keine wirklich Überraschung. Ich hatte da vorher einen sehr viel deutlicheren Unterschied erwartet, als den, den ich dann gefunden habe. Trotzdem sollte man das nicht unterschätzen und es wird nötig sein, seine Fotos anders zu gestalten und bzgl. Freistellungsmöglichkeiten sichtbare Abstriche in Kauf zu nehmen.

 

Das etwas unruhige Bokeh ist auch bei dem 12-40mm Objektiv zu sehen. Die auf maximale Schärfe ausgerichteten PRO-Objektive der Olympusreihe schärfen auch die leichten Kanten in den eigentlich weicher gezeichneten Bereichen. Dadurch kommt ein mitunter etwas ungewöhnlicher Effekt zustande, wie man in dem 100%-Ausschnitt im Bereich der Katzennase sehen kann. 

Einen etwas gnädigeren Vergleich bieten die beiden Waldkauzfotos. Wobei die Canon-Aufnahme schon älter ist und mit lediglich 500mm gemacht wurde.

High-ISO

Bei einem mft-Sensor hatte ich an die ISO-Performance eigentlich gar keine großen Erwartungen. Meine Vorüberlegungen waren, dass wohl das Rauschverhalten der Kamera sowieso ein Ausschließkriterium für ernsthafte Systemwechselgedanken darstellen würde. Doch weit gefehlt. Wenn die Kamera mich in irgendetwas wirklich absolut begeistert und positiv überrascht hat, dann war es das ISO-Rauschen. Natürlich ist es nicht vergleichbar mit einer Vollformat-Spiegelreflexkamera. Aber bei dem winzigen Olympus-Sensor wurde wirklich ganze Arbeit geleistet.

Das folgende Amselbild wurde mit ISO 2500 aufgenommen. Ich zeige das komplette, unbearbeitete Bild, sowie einen 100%-Ausschnitt.

Der Autofokus war ein weiterer Punkt, den ich auf die Probe gestellt habe. Kurz zusammengefasst: Besser, als gedacht, aber nicht auf dem Niveau der Canon. Es kann aber auch daran liegen, dass ich die Einstellungen des AF nicht so richtig überblickt habe und eher zu den "Lerning by doing"-Menschen gehöre, statt zu den "Bedienungsanleitungslesern".

Fotografiert wurde die Serie mit C-AF. Man muss dabei sehr genau den Vogel im AF-Feld behalten, dann sitzt der AF gut und schafft das auch locker. Sobald aber kleine Zweige kommen, verliert der AF sich und braucht auch nach dem Hinterniss einige Bilder, bis er das Motiv wieder gefunden hat. Den Modus C-AF tr (für Tracking) habe ich leider erst ganz am Ende der Testphase entdeckt :-( Damit sollte aber definitiv mehr drin sein, solange das Motiv sich parallel zur Kamera bewegt. Sich auf die Kamera zubewegende Motive werden auch damit vermutlich schwierig sein. Aber vielleicht mag das jemand anders noch testen und mir einen Link schicken.

 

 

Der AF im Gegenlicht hat besser funktioniert, als erwartet. Allerdings bevorzugt der AF die leuchtenden Lichtsäume der Motive im Gegenlicht. Das geht mir mit der Canonausrüstung allerdings oft ähnlich. Was aber doch auffällt ist, dass der AF der Olympus im Gegenlicht größere Schwierigkeiten hat sich überhaupt für ein Motiv zu entscheiden und anfängt zu "pumpen".

Ein echtes Highlight zum Schluss. Die Schärfe...... Natürlich ist die Schärfeebene durch den kleinen Sensor insgesamt größer und es ist daher weniger schwierig, den richtigen Punkt zu treffen. Aber die Schärfe selbst ist schon unglaublich.

Ich zeige nun jeweils ein Foto und dann eine 100%-Ansicht.

Ein weiteres sehr erfreuliches Thema:

Chromatische Aberrationen. Besonders deutlich sind diese z.B. in der Regel bei den fiesen grün- und magentafarbenen Rändern um kontrastreiche Strukturen, wie bespielsweise bei Ästen, die man gegen den Himmel fotografiert.

Chromatische Aberrationen sind mit Olympus kein Thema mehr. Nur in verschwindend geringem Ausmaß bei starken Kontrasten kommen sie in sehr leichter Form vor. Aber selbst dann fand ich sie so minimal, dass ich sie nicht entfernt habe.

Hier ein Beispiel.

Abschließende subjektive Beurteilung:

Olympus begeistert mich. Meine Canon-Ausrüstung würde ich dafür momentan nicht aufgeben, da ich die Vorteile in bestimmten Bereichen z.B. bei Fotoansitzen klasse finde. Für Kurzurlauben, Lokationsuche, Immer-Dabei usw. ist die Olympus eine unschlagbare Kombination, die mich wirklich fasziniert. Jetzt muss ich nur noch sparen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 5
  • #1

    christian (Samstag, 10 März 2018)

    Frage: Und die Unterschiede im händeln von diesen Kameras würde nicht verhindern in dem Bruchteil einer Begebenheit in der Natur " das Foto " zu schießen?

  • #2

    Simone (Samstag, 10 März 2018 11:23)

    Hallo Christian,
    die Kamera bedient sich nach einiger Gewöhnung sehr leicht und ähnlich intuitiv, wie meine Canon-Kamera. Wie immer gehört eine Zeit der Umstellung wohl dazu und einige Dinge wird man anfangs suchen müssen. Aber die wichtigen Dinge sind schnell und einfach zu bedienen. Daher glaube ich nicht, dass durch das Händling eine Begebenheit eher verpasst würde, als durch eine andere Kamera.
    VG Simone

  • #3

    Klaus (Mittwoch, 14 März 2018 08:27)

    Hallo Simone,
    danke für die interessanten Ausführungen zur Olympus E-M1 II. Für zwei Jahre habe ich mit dem Vorgängermodell fotografiert - und war auch begeistert. Deine Erfahrungen habe ich zum großen Teil auch gemacht, allerdings nicht im Bereich der langen Brennweite und der von Dir betriebenen Naturfotografie. Im Zuge einer "Technikbereinigung" schied die Oly dann allerdings aus, manchmal schaue ich noch bedauernd auf diese feine Kamera zurück.
    Grüße
    Klaus

  • #4

    Markus (Sonntag, 08 April 2018 22:09)

    Ich bin vergangenes Jahr von Canon zu Olympus umgestiegen und ich vermisse nichts. Ich trage nur noch einen Bruchteil an Gewicht mit mir herum. Und gerade in der Naturfotografie, wo man zum Teil stundenlang zu Fuß unterwegs ist, ist das ein sehr wichtiges Kriterium für mich. Hinzu kommt der Preis. Wie von dir auch genannt.
    Ich kann mir oftmals ein Grinzen nicht verkneifen, wenn manch Hobbyfotograf mit gigantischen Objektiven mitleidvoll zu meinem scheinbar unbrauchbaren im Verhältnis kleinen Objektiven rüber schaut.
    Ich sehe dieses Potenzial der Unterschätzung auch als einen guten Diebstahlschutz, sowie bei Veranstaltungen auch als Chance eine Kamera auf das Gelände zu bekommen.

  • #5

    Heinz Kalab (Dienstag, 01 Mai 2018 13:52)

    Hallo Frau Baumeister,
    ich bin Hobbyfotograf und hatte 40 Jahre Kameras und Objektive von Nikon.
    Vor 5 Jahren bin ich vollständig auf MFT umgestiegen. Meine erste Kamera war die Panasonic GH2 - diese nutze ich nach dem Umbau auf Infrarot immer noch ausschließlich dafür.
    Im Moment nutze ich eine Olympus E-M1 und eine E-M1 Mark II und eine Panasonic GX8.
    Ihre Erfahrungen mit Olympus kann ich voll und ganz unterstreichen.
    Ich habe auch alle PRO-Objektive und bin damit weltweit unterwegs - zuletzt auf Falkland und Südgeorgien. Gerade auf solchen Fernreisen lernt man die Gewichtsersparnis sehr zu schätzen;
    es macht einfach mehr Spass die komplette Ausrüstung dabei zu haben und diese auch noch bequem transportieren zu können. Einen Qualitätsunterschied zu Fotos die an gleicher Stelle von Mitreisenden mit größeren Chip-Formaten aufgenommen wurden, konnte ich noch nie feststellen. Diese Fotografen sind meistens zu sehr mit dem Handling der schweren Ausrüstung beschäftigt und behindert und verpassen so oft die besten Gelegenheiten. (z.B. vobeifliegende Seevögel vom Schiff) Sie sollten das 300er auch noch mit dem 1,4-fach Konvertrer ausprobieren. Dazu gehört dann auch der Sucher OLYMPUS DOT SIGHT EE-1, den kann man auch auf allen anderen Kameras im Blitzschuh anbringen.
    Auch bei offener Blende (dann 5,6 840mm) sehe ich keinen Qualitätsunterschied. Interessant und ansonsten ungewöhnlich ist die gegenseitige Unterstützung von Panasonic und Olympus; so kann man z.B. Firmware-Updates für Pansonic-Objektive über die Internetseite von Olympus installieren - wo gibt es das sonst noch.
    Es grüßt ein begeisterter Fan von MFT - insbesondere von Olympus-Kameras und Olympus-Objektiven.